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Schade. Schade. Schade. Und nochmals: Schade.
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Nun, es sei gesagt, daß ich seit 1983 Yello-Fan bin. Zum Geburtstag wünschte ich mir damals "You Gotta Say Yes To Another Excess" als Vinyl-Maxi, mit "A Message to our Dreaming Dancers" auf der B-Seite. Solid Pleasure, Claro Que Si, Stella etc. folgten, wenngleich auch nicht in chronologischer Reihenfolge.
Yello, respektive Boris Blank, war für mich immer ein Sound-Tüftler, der nie gehörte Klänge, Klangstrukturen, -teppiche und Melodien an die Ohren brachte, begleitet vom Dada-Gesang Dieter Meiers (man erinnere sich an "Goldrush"). Nun, wir alle werden älter, unsere Kinder auch, die Ansprüche der Kinder steigen ... es spricht ja nichts dagegen sich zu vermarkten, aber ... dann doch bitte mit ein wenig Rest-Enthusiasmus. BITTE.
Oft in den letzten Jahren, wenn ich wieder einmal ungehört, aber euphorisch, eine neue Yello-CD kaufte, hatte ich die Hoffnung, daß sich wenigstens ein klein wenig vom experimentellen, vom nie zuvor Gehörten einstellen würde. Zuletzt brachte das erste Lied, "Planet Dada", auf "The Eye" mein Herz zum überlaufen und ich hatte schon Hoffnung ... Der Rest der CD jedoch war "unter ferner liefen" und brachte meiner Zunge und meinen Ohren den faden Nachgeschmack eines langweilig zusammengeschusterten und irgendwo-schon-mal-gehörten Albums ein.
Prinzipiell spricht ja nichts dagegen sich selbst zu, wie heißt es auf neudeutsch, "featuren", aber es gibt eine Grenze. Und die ist hier eindeutig überschritten worden. Sämtliche Klänge und Klangkombinationen wurden auf alten Yello-Scheiben schon verwendet, nur neu arrangiert. Es gibt oft Momente auf dieser CD in denen man sich fragt, ob man das nicht schon irgendwann gehört hat, denn der "Kenn ich!"-Effekt stellt sich allzu oft ein.
Es gibt aber auch neuarrangierte Ausnahmen.
Zum Beispiel "Bostich". Wer aus der alten Yello-Fan-Garde kennt diesen Evergreen nicht und weiß ihn in seiner Ursprünglichkeit zu schätzen? Ihn aber noch einmal pseudo-neumodisch durchzukauen, bis zur Unkenntlichkeit zu verfälschen und sich zu erdreisten das auch noch auf einen Tonträger zu pressen - nein, das geht gar nicht. "Bostich" ist ausreichend und hinlänglich während der Techno-Phase gefleddert worden, da muß "der Meister" zur Demontage nicht noch selbst beitragen.
Ich kann mir einfach nicht helfen. Für Interessenten, die erst kürzlich zu Yello gestoßen sind mag das Album wirklich eine Offenbarung sein, für den nun wirklich langjährigen Fan hingegen ist es wieder einmal eine Enttäuschung.
Von der alten Tüftelei ist wieder einmal nicht viel zu hören, eher lustloses Geschrammele und sinn- und hirnlos zusammengeschusterter Musik-Brei, auch die verwendeten Töne sind vielfach gehört. Weiteres Manko: Dieses stete "in's Horn"-Gepuste, Gehuste, Gespucke und Gehauche von diesem, wie hieß er noch gleich, Till Brönner, stört und je öfter ich es höre desto mehr nervt mich dieses angestrengt unangestrengte Trompetenspiel. "Part Love" und "Trackless Deep" bilden hier eine angenehme Ausnahme, das ist südamerikanisch-groovig, da wippt der Fuß automagisch mit - aber da ist der Trompetenspieler ja auch außen vor.
Selbst die ruhigeren Lieder auf der CD hätten etwas mehr Aufmerksamkeit erfahren sollen - zum Beispiel stimmgewaltigere Begleitsängerinnen. Es muß ja nicht gleich Shirley Bassey sein, aber etwas mehr Volumen hätte man schon erwarten dürfen, als dieses flache "Gewabe" von "Heidi Happy" (eine schweizerische Sängerin) - sie macht mich keinesfalls "happy". Die stimmliche Bandbreite ist facettenlos und eingeschränkt, sie klingt in jedem Lied absolut gleich.
Nein, dieses Album "geht gar nicht". Da ist nichts vom alten Tüftler, nichts Neues.
SCHADE!
Und nicht schön. Gar nicht schön, denn so langsam beschleicht mich das Gefühl, daß die Herren Blank und Meier die Früchte ihrer Vergangenheit ernten wollen und gänzlich auf Neues, auf nie Dagewesenes und Ungehörtes, verzichten, sondern ihre eigene Geschichte noch einmal durchkauen. Glauben sie, die alte Yello-Garde sei nicht mehr zugegen? Oder hat womöglich die Hoffnung aufgegeben?
Ich jedenfalls hab's jetzt. Seit fast 30 Jahren bin ich Yello-Fan, habe viele viele Vinyls und CDs gekauft, habe gehofft und gebangt, aber ich glaube langsam wird's Zeit sich klarzumachen, daß manches schlicht und einfach vorbei ist.
Kaufen wir einfach eine Shaun-DVD für die Kinder. Das ergibt deutlich mehr Spaß.
SCHADE. :/
PS: Das Einzige, das mich fürderhin noch zum Kauf veranlassen könnte wäre eine Sammlung analog zu Kraftwerks "Katalog", also eine digitale Überarbeitung sämtlicher bisher gelieferter Vinyls und CDs. Und wenn Sie, werter Herr Blank, clever genug sind, fügen Sie das ein oder andere "Schmankerl" wie zum Beispiel (sämtliche) B-Seiten oder Maxi-Versionen hinzu. Oder Sie setzen sich endlich mal auf Ihre 4 Buchstaben und zaubern was aus Ihrem mit Langeweile übervollen Hut.
Ansonsten: Auf Wiederluagen.
Eine Rezension von Mr. Belpit >
vom 22. Januar 2010 |